Sterbehilfe/Euthanasie

Ein toller Beitrag von Susann Hoffmann mit der Erlaubnis diesen hier in einer Datei zu verfassen.
Hallo alle zusammen, ich würde von ein paar Leuten gebeten meinen Post über den Sterbeprozess nochmal in der Gruppe zu Posten, damit der Beitrag mehr Leute erreicht. Es ist ein bestimmter Fall geschildert wo es darum ging ob man eine alte Katze die nicht mehr frisst erlöst oder eben nicht. Wer sich nicht damit auseinander setzen möchte überspringt den Beitrag einfach.

Ich glaube, ich betreibe jetzt mal Aufklärung zum sterben. Da ich oft Patienten begleitet habe und die Grundanatomie zwischen Mensch und Katze gleich ist, denke ich das sich auch der Sterbeprozess sich nicht unterscheidet. Der Tod, genauer gesagt der Hirntod tritt nur ein wenn das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Dafür ist in erster Linie das Herz und die Lunge verantwortlich. Das Herz ist ein Organ welches wir nicht bewusst kontrollieren können, d. h. keiner von uns kann dem Herz sagen Schlag schneller oder langsamer oder höre auf zu schlagen.
Es regelt selbst den Rhythmus das von Hormonausschüttungen reagiert. Ähnlich verhält es sich mit der Lunge. Wir sind zwar in der Lage bis zu einem gewissen Grad die Luft anzuhalten, aber irgendwann wird ein Reiz aktiviert, welcher uns automatisch einatmen lässt.

In noch nicht mal 5% der Sterbefälle passiert dieses friedliche Einschlafen. Das Herz ist zu schwach und hört einfach auf zu schlagen. Nachdem was ich gelesen habe, ist es bei Katzen nicht viel anders. Natürlich wünscht jeder seinen Angehörigen und Tieren einen solchen Tod, aber es passiert leider nicht häufig. Jeder andere Tod ist mit Qual und Todeskampf verbunden! Je nach Erkrankung kann dies sich von Minuten bis hin zu Monaten (mit erhaltenden Maßnahmen) hinziehen.

Soviel zur Grundtheorie.

Und nun zu den zwei Fällen: Wenn eine Katze nicht mehr frisst und trinkt passiert folgendes: Die Abbauprodukte werden nicht mehr ausreichend ausgeschieden. Das heißt die Katze vergiftet sich selbst Sie bekommt eine Sepsis und fällt viel später in ein Delirium. Dann sehen sie so friedlich aus, was aber nicht der Fall ist. Denn das Bewusstsein ist zwar leicht getrübt, aber da! Man kann es ein wenig mit einem Wachkomapatienten vergleichen. Jeder Patient der Dyalysepflichtig ist, wird bestätigen, das es ihm nicht gut geht, wenn die Abbauprodukte im Körper verbleiben. Organversagen bedeutet auch Schmerzen!!

Das ist nicht schmerzfrei.

Nach dem Nierenversagen folgen die anderen Organe und zum Schluss kommt es zum Herzstillstand und damit zum Hirntod. Wie lange das Herz bei einer Sepsis durchhält liegt am Herz selbst. Je nachdem ob das Organ gesund oder vorgeschädigt ist, geht es schnell oder weniger schnell. Dadurch dass das Bewusstsein, wenn überhaupt nur getrübt ist, empfindet man alle Schmerzreize!

Nun der Unterschied zur Euthanasie:

In einer Narkose wird das Bewusstsein vom Körper getrennt. Das ist eigentlich auch schon alles was ein Narkosemittel macht. Die körperlichen Reize und auch Funktionen, wie Gefahr und Schmerzen bleiben bestehen. Aber das Bewusstsein nimmt sie nicht wahr. Deshalb werden bei OPs auch zusätzlich Muskelrelaxien und Schmerzmittel gespritzt. Das Schmerzmittel verhindert das ein übertriebener Schmerzreiz an das Gehirn gesendet wird. Das heißt der Blutdruck bleibt in der Regel stabil und der Puls auch. Die Muskelrelaxien unterbrechen das Zucken der Muskeln, was eine OP wesentlich einfacher gestaltet und auch der Blutverlust wird minimiert, das die Muskeln nicht soviel Blut wie in Bewegung benötigen. Der Haken dabei ist, das unsere Atmung nur mit der Atemhilfsmuskulatur funktioniert. Deshalb werden wie bei OPs beatmet.
Also wird bei der Euthanasie das Bewusstsein durch die Narkose ausgeschaltet. Da aber keine Muskelrelaxien zum Einsatz kommen, kommt es dabei eventuell zu Muskelzuckungen oder Blasenentleerung(auch ein Muskel). Das ist normal und unwillkürlich. Der Todeskampf findet um Körper genauso statt, nur mit dem Unterschied dass das nicht bewusst erlebt wird und das es nicht so lang dauert. Auch ein tiefer Atemzug, selbst nach Herzstillstand ist ein Reflex unseres Körpers und hat nichts mit dem Bewusstsein zutun.

Also erspart euren Tieren bitte diese Qual und erlöst sie rechtzeitig. Denn unsere Tiere haben diesen Vorteil. Wir leider nicht, zumindest nicht in Deutschland.

Auch wenn das jetzt sehr faktisch und ohne Gefühl geschrieben ist, kann ich euch versichern, dass mir das alles andere als leicht gefallen ist. Ich musste meine Fluffy vor 12 Tagen erlösen lassen, nachdem sie sonst an einem Lungenödem qualvoll erstickt wäre. Das habe ich ihr erspart und ich bin froh darüber, dass sie sich nicht länger quälen musste.
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